Von Fundamenten und Sohlen (Episode 3)

17. September 2019

Wer Teil 1 & 2 noch nicht kennt, findet Links zu diesen unter diesem Artikel. Ob zum direkten Lesen oder später wink.

Wie folgenreich die Frage nach Fundamenten werden kann, ahnten wir nicht - war doch das Vorhandensein von solchen vor der Beschäftigung mit historischen Häusern eine völlig logische Annahme. 
Doch früher, als es noch keinen Beton gab, musste man anders vorgehen. So erfuhren wir bei unseren Recherchen, dass alte Häuser meist auf großen Feldsteinen ihre Wände haben. Klingt robust und sinnvoll … Tja, ihr ahnt es schon: Bei dieser Kate ist es anders.

Der Statiker, den wir für den Bauantrag brauchten, fragte nach den Fundamenten, da er ihre Außmaße für die Standfestigkeitsberechnungen benötigt. Da wir weder Aufzeichnungen noch andere Informationen zum Haus haben, bitten wir den Maurer Ausgrabungen zu starten. Wäre alles wie „meist“, sollten nach einigen Reihen aus Mauersteinen langsam der Ring aus Felssteinen sichtbar werden. Nur war nichts außer Sand!
Die Erklärung ist einfach: Felssteine muss man haben, sie transportieren und einbuddeln. Und wenn der Untergrund nicht so weich ist, dass er grundsätzlich nachgibt, offenbar kein Muss. So sparte man sich früher (und heute wohl auch noch in einigen Ländern) den Aufwand und setzte nur einige Reihen aus Mauerstein in den Grund. Da die Häuser keine feste und geschlossene Sohle bekamen, gab es auch keine Problematik, wie man beide Teile verbindet.

Pragmatisch, durchaus viele Jahrzehnte haltbar. Verändern sich ringherum die Bedingungen, verlieren so gebaute Wände den Halt, beulen aus bis zum Einsturz. Da reicht eine Straße, die irgendwann mit größeren und schwereren Fahrzeugen befahren wird oder einfach der Zahn der Zeit. Nun - jetzt war erklärbar, warum auf der West- und damit Wetterseite irgendwann schon einmal an der Straße entlang und ums Eck eine neue Wand gezogen wurde …

Die bekam beim Neuaufbau zum Glück ein Fundament und der Teil kann bestehen bleiben. Ohne Fundamente - und ohne direkt angeschlossene Sohle - besteht in Häusern meist ein Problem mit Feuchtigkeit, die vom Boden nach oben steigt oder auch von außen durch das Mauerwerk zieht.
Für den „Rest“ der Kate gibt es zwei Möglichkeiten: Das handwerklich sehr aufwändige Unterfangen der Mauern oder Abtragen und neu aufbauen. Beim Unterfangen wird eine Bitumenbahn stückweise an der unteren Mauerkante eingezogen. Stein nach Stein wird gelöst, immer maximal zwei, um die Stabilität der Wand nicht zu gefährden. Die einzelnen Bitumenstücke müssen verschweißt und die Mauersteine wieder eingesetzt und verfugt werden. Es ist die Option, wenn man kleinere Bereiche abdichten möchte, aber keine Lösung, wenn gut vierzig Meter Mauer auf eine Abdichtung warten.
Also Plan B … Was bedeutet das für das Haus, an dem über die Jahrzehnte von Lehm über Sandmörtel stellenweise auch Zementmörtel verbaut wurde? Beim Abtragen bleibt kein Stein dort, wo er einmal war - es ist in einem für private Bauherren finanziell tragbaren Rahmen nicht möglich, die geretteten Steine so zu sortieren, dass sie ganz genau an Ort und Stelle wieder eingesetzt werden können.
Auch erfolgte direkt der Hinweis, dass der weiche Rotstein, an dem der harte Zementmörtel verbaut wurde, kaum zu säubern wäre. Da saßen wir also nun und grübelten …

Den Altbestand mit den Feuchtigkeitsproblemen zu belassen kam nicht infrage. Also Unterfangen oder Neuaufbau? Zum Glück haben wir eine in Altbausanierung erfahrene Maurerfirma an unserer Seite. Mit ihrer Hilfe bekommen wir eine Pro- und Contra-Liste aufgestellt, grübeln weiter und treffen eine Entscheidung, die von einigen „wenn“-Faktoren abhängt. Da schon vor Beginn der Arbeiten klar war, dass wir nicht genügend Steine für einen Neuaufbau retten werden können, müssten beim Abtragen und neu Errichten welche zugekauft werden. Mutig und nicht ahnend, wie schwierig dies zu regeln sein wird, entscheiden wir uns für den Neuaufbau.

Zwei Bauabschnitte sollen es werden - erst der ursprüngliche Wohnteil, dann der frühere Stallbereich. Bevor die erste Wand abgetragen wird, werden im Inneren des ersten Teils Stützen gestellt, die die Dachkonstruktion abfangen. Mir blutete das Herz, als der Bagger die erste Wand anschubste und Steine fielen!
Alles mit Lehm- oder Sandmörtelanhaftungen kommt auf Paletten, Zerbrochenes in einen Container. Der Bagger - auch wenn es ein Mini-Bagger ist - wirkt im Haus riesig! Virtuos fährt er um die Stützen herum, trägt Innenwände ab, nach und nach die Außenwände. Im ersten Teil bleibt die bereits erwähnte erneuerte Wand stehen - trotzdem sieht es sehr seltsam aus …

Was immer im Laufe der Jahrzehnte als Bodenbelag genutzt wurde, wird entfernt. Dank der gegenüber der Straße erhöhten Lage des Hauses können wir einige Zentimeter mehr ausheben, die uns am Ende etwas mehr Innenhöhe geben werden. Zuletzt werden Gräben ausgehoben - die künftigen Fundamente werden sichtbar. Damit die Kate trockene Füße behält, dichtet eine Folie die Sohle zum Erdreich hin ab - und dann folgt jede Menge Beton und Eisen. Wie ein See wirkt die neue Sohle … Kaum ist der Beton ausgehärtet, bilden sich neue Mauern - zu dem Thema kommen wir in der nächsten Episode!


Neueste Beiträge

Wer Teil 1 & 2 noch nicht kennt, findet Links zu diesen unter diesem Artikel. Ob zum direkte...
Das Leben steht Kopf: Von einer Auszeitimmobilie zum neuen Ankerplatz. Seid ihr noch in romantisc...

Übersicht zur Kate, ihrer Umgebung und Nordfrieslands schönste Seiten.