Plötzlich steht das Leben Kopf! (Episode 2)

22. Mai 2019

Das Leben steht Kopf: Von einer Auszeitimmobilie zum neuen Ankerplatz.

Seid ihr noch in romantischer Stimmung von Teil 1? Falls nicht, lässt sich das hier nachholen: Klick! Hier geht es weiter mit den bei einem Hauskauf zu erledigenden Formalitäten , den ersten Begegnungen im Ort und ihr erfahrt, wieso unser Leben einen Kopfstand macht!

Nach der Besichtigung am Valetntinstag 2018 lassen uns die Verkäufer zum Glück nicht lange nervös am Daumen nagend warten - schon am nächsten Tag bekommen wir grünes Licht und drei Herzen machen einen Freundensprung!
Damit beginnt der nicht zu vermeidende Formalismus: Daten klären, Bankgespräche, Unterlagen einholen, ordnen, weiterleiten. Warten. Notartermin vereinbaren. Rückfragen beantworten. Warten. … …. Dazwischen liegt für die Zweibeinerin und mich die übliche Woche zur Messe ITB in Berlin. … … Endlich ist der Tag mit dem Notartermin - und in der letzten Märzwoche ist die Kate offiziell unsere. Na ja, abgesehen von dem Anteil, der der Bank zusteht ... ?

Noch einmal dauert es fast vier Wochen bis zum nächsten Schritt, der Schlüsselübergabe. An dem Tag ziehen wir schon ein bisschen näher an sie heran: Unser Wohnwagen fährt mit nach Almdorf und bekommt seinen Stellplatz direkt vor der Kate, die wir so immer im Blick haben.

Als wir gerade zu unseren Nachbarn gehen - die Verkäufer wohnen rechts und links von uns - hören wir plötzlich eine Stimme aus dem Hintergrund: „Willkommen in Almdorf!“. Huch! Kurz danach steht vor uns eine ältere Dame und verrät es uns: Von ihrer an ihre Kate angebauten Veranda hat sie die Kate und die Straße fest im Blick! Aus diesem ersten Kontakt entsteht eine sehr nette Nachbarschaft - doch dazu später mehr .

Aufgeregt und aufgekratzt gehen wir die wenigen Meter weiter und landen - durch den Vordereingang, eine Besonderheit für offizielle Gäste - in der Wohnküche. Wir haben Kuchen dabei, der Kaffee ist schon fertig. Eine kleine Vorstellungsrunde, ein bisschen Geplauder, das schnell in einem herzlichen Schnack mündet. Während wir noch auf den zweiten der drei Brüder warten (unser neuer Nachbar zur Rechten), sprechen wir noch über das Nachbargrundstück. Das steht auch zum Verkauf, nur hat schon jemand vor uns Interesse angemeldet, sich aber in etlichen Wochen nicht klar geäußert, ob oder ob nicht … Wir hätten es gerne dazu, um auch langfristig Luft und Weite um uns herum zu haben. Den Punkt vertragen wir, bis mit dem anderen Interessenten gesprochen werden kann.

Und dann - der Schlüssel! Es ist ein besonderer Moment, wenn man ihn das erste Mal in den Händen hält! Gemeinsam gehen wir zur Kate, klären in den Räumen, was stehen bleiben kann. Zu meiner Beruhigung hat die Sammlung ausgestopfter Tiere - früher war so etwas einfach üblicher - bereits einen neuen Platz in einem Museum gefunden. Einige Möbel übernehmen wir, einige dürfen noch gehen.

Dann überlässt man uns das Haus und wir sind das erste Mal alleine mit ihm. Was für ein Gefühl! Wieder und wieder gehen wir durch die Räume und überlegen, was wir verändern möchten, was bleiben darf. In diesem Moment noch unter dem Aspekt, dass die Kate unsere „Auszeitimmobilie“ wird … Pläne werden gemalt, es wird recherchiert, Ideen entstehen, werden geprüft und wandern auf den „ist möglich“- oder den „nee, lieber nicht“-Stapel.

Inzwischen gibt es weitere Erkenntnisse aus der LBO, der Landesbauordnung. Jedes Bundesland hat eine eigene, die allgemeine, aber auch regionale Besonderheiten berücksichtigt. Und die von Schleswig-Holstein hat einige Passagen zum Thema Weichdach und Grenzabstand. Und hier zeigt sich ein Problem! Bei der Teilung in drei Scheiben des ursprünglich riesigen Grundstücks wurden die Linien nach praktischen Erwägungen gezogen … Auf der Hofseite bekam die Kate so viel Fläche dazu, dass die Durchfahrt zur Wiese gesichert ist. Die Garagen samt ehemaligem Misthaufen gehören schon zum nächsten Grundstück. Und hier liegt die Krux: Bei Weichdächern, also Materialien wie Reet, sind mindestens sechs Meter vorgeschrieben. Daran hat niemand gedacht, die Vermessungsingenieure haben vermessen, was man ihnen als Wunschlinie genannt hat …

Nun kommt ein Faktor ins Spiel, der in der Zeit zwischen erster Besichtigung und etlichen Tagen im Wohnwagen mit Blick auf die Kate im Inneren der Zweibeiner immer drängender wird: Wir möchten diese Kate nicht nur ab und an zu Gesicht bekommen, wir möchten darin leben! Längst laufe ich mit prüfenden Augen durchs Haus und lote mögliche Hängemattenplätze aus …

Die Erkenntnis ist irgendwann nicht mehr mit logischen Argumenten wegzuwischen, sie aktiviert nachdrücklich die Emotionen und gibt dem Verstand klare Anweisungen, ruhig zu sein ?! Und nun? Dann wäre es nicht mehr mit einem schmalen Streifen getan, den wir auf der Hofseite zusätzlich in Ergänzung zu den sechs Metern bräuchten. Es müssen ganze sechs Meter mehr werden, sobald ein Gewerbe oder eine freiberufliche Tätigkeit im Haus ausgeübt wird. An der Lösung dieser Frage hängt nun die Möglichkeit, unser Leben auf den Kopf zu stellen, aufs "Dörp" zu ziehen und Hamburg als Heimathafen aufzugeben … Es folgen Tage des Wartens, wir sind hin- und hergerissen, ob wir unserem Bauch folgen sollen oder dem Verstand. Sofern wir das Grundstück denn angeboten bekämen …
Doch auch hierbei meint es jemand gut mit uns: Es ergibt sich, dass einige Meter noch zum Nachbarn gehen, den „Rest“ dürfen wir erwerben. Die Formalien-Maschinerie läuft wieder an, die einzelnen Flurstücke werden auf einem Blatt im Grundbuch zusammengefasst. Damit sollte alles bezüglich der Abstände geregelt sein … Uff!

Nun ist es entschieden: Der bisherige Heimathafen Hamburg wird gegen einen neuen Ankerplatz in Almdorf getauscht! Erwähnte ich Pläne, die schon entworfen wurden? Nun … Mit der Entscheidung, dauerhaft in die Kate zu ziehen, starten alle Überlegungen neu. Das Ziel ist klar: So viel wie möglich erhalten und dabei so anpassen, dass ein gesundes und möglichst energieschonendes Wohnen möglich ist. Mit der vorhandenen Substanz, ansonsten mit möglichst authentischen Materialien. Dazu Platz für zwei Büros und ausreichend Platz für mich ?.
Da es keine Baupläne gibt und keine wirklichen Maße bekannt sind, hilft uns ein Handwerker aus dem Dorf, das alles zusammenzutragen. Es werden etliche Zettel mit Skizzen und sehr vielen Maßen erstellt. Langsam schält sich heraus, wie wir was nutzen können, erste Zeichnungen entstehen. Eine aufregende Zeit!

Eigentlich alles klar, oder? Haus in Hamburg verkaufen, vorher aussortieren, Sachen verkaufen, den Rest einlagern, an der Kate etwas umbauen? Äh … Fast. Also eher gar nicht … Menschen scheinen dazu zu neigen, den Zeitaufwand zu unterschätzen, den sie selbst und Andere für Ideen, Recherchen und Entscheidungen benötigen. Also ein bisschen … sehr deutlich!
Die Wochen rennen an uns vorbei, während wir sehr viel über historische Häuser lernen und erste Handwerkerkontakte haben. Der Versuch, stichhaltige Kostenvoranschläge zu bekommen, ist alles Andere als trivial, da fast alles mit "es kommt darauf an ..." beantwortet wird. Massig Fragen nach was, wie, wann, warum tauchen auf … Uff!

Doch wie stets schält sich nach einer Weile heraus, was auf jeden Fall zu tun ist, was (technisch) möglich ist und was unter „nice to have“ fällt. Irgendwann ist es so weit: Das Ganze wird in einen Bauantrag gegossen. Die Zweibeinerin reicht den Bauantrag persönlich ein und kommt mit einigen wichtigen Informationen zurück. Nun heißt es wieder: Warten …
Währenddessen wird in Hamburg angefangen zu packen, es gibt ja einen großen Stall hinter dem Haus, da kann eingelagert werden … Das verbliebene Inventar der Kate wird ebenfalls eingelagert - anfangs ist noch viiiiel Platz im Stall … Bis Ende November soll alles fertig sein - also bevor die wirklich lange und oft nasse Winterphase beginnt. Äh … ja …

Erste Schritte können wir schon umsetzen, es wird laut und staubig. Der verbaute Rotstein wird überall dort, wo man ihn mit Lehm oder einem noch zu entfernenden Mörtel verbaut hat, gerettet. Die Zweibeinerin klopft stundenlang liebevoll Steine sauber, die später wieder verbaut werden. Und ein Recherchemarathon beginnt! Wir beginnen ganz unten - beim Thema Fundamente und Sohle … Was wir dabei erleben, wird Thema in Teil 3 !

 


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